Interview: Jeff Molander und Ben Edelman zu Adware und 180solutions

Ben Edelman und Jeff Molander
Wenn es darum geht, welche Auswirkungen Adware auf das Affiliate Marketing hat, kommt man an Ben Edelman nicht vorbei. Der Amerikaner ist angehender Harvard-Jurist und untersucht seit Jahren die Auswirkungen von Adware und Spyware wissenschaftlich.
Ausführliche Informationen zu Ben Edelmans Arbeit findet man auf benedelman.org
Jeff Molander ist Berater in Investmentfragen im Online-Marketing-Bereich. Er hat Ben Edelman Anfang 2006 zum Thema Adware und 180solutions interviewt. Beide haben mir ihr Einverständnis erteilt, Auszüge aus diesem sehr interessanten Interview zu veröffentlichen. Das komplette Original-Interview finden Sie auf www.ThoughtShapers.com
Jeff Molander: Man kann heute in der Online Werbebranche nirgendwo mehr hinschauen, ohne die Begriffe Adware oder spyware zu hören und Berichte über unehrliche Affiliates zu lesen, die diese Art von Software einsetzen. Viele Affiliates verwenden diese parasitären Programme ohne das Wissen und vor allem das Einverständnis ihrer Werbekunden. Aber was genau ist Adware eigentlich? Warum ist diese Werbeform auch für Werbekunden von Nachteil und wie kann man sie bekämpfen? Haben Werbekunden überhaupt ein Interesse daran, die Verwendung von Adware zu beschränken? Und wenn diese interessiert sind, können sie auf die Hilfe der Partnerprogramm-Netzwerke zählen?
Hallo. Mein Name ist Jeff Molander. Vor kurzem besuchte ich Ben Edelman an der Havard University. Ben ist einer der führenden Adware-Experten und -Berater. Zu Beginn fragte ich Ben, wie einfach es für eine Person von der Straße wäre, Affilliate zu werden und mit Adware Firmen, die ihre Software auf den Computern ahnungsloser Verbraucher installiert haben, Geschäfte zu machen. Darüber hinaus wollte ich wissen, wie Adware eigentlich eingesetzt wird.
Ben Edelman: Es ist heutzutage verdammt einfach Adware-Werbung zu kaufen. Man braucht nur auf www.metricsdirect.com, die Verkaufsseite von 180solutions – jetzt Zango, zu gehen und einen neuen User-Account anzulegen, wie man es zum Beispiel auch bei Hotmail machen würde. Für die Bezahlung trägt man seine Kreditkartennummer ein und lädt den Account mit 10 Dollar auf und schon kann man die ersten Anzeigen schalten.
Dadurch könnte man zum Beispiel auf folgende Idee kommen. Man ist selbst ein Dell Affiliate und überlegt sich, dass Leute die einen Dell kaufen möchten auch auf den Seiten des Mitbewerbers Gateway zu finden sind. Also lasse ich 180solutions meinen Dell Affiliate Link auf den Seiten von Gateway.com einblenden und hoffe, dass jemand über diesen Link einen Dell bestellt. Dafür bekomme ich dann Geld, meine 2% Provision für die Vermittlung. Auf diesem Weg findet Dell auf einmal die eigene Seite in einem Popup, wenn ein User auf die gateway.com Seite geht. Auch wenn Dell selbst Adware und Spyware verabscheut und seinen Affiliates die Verwendung solcher Programme verbietet. Nichts desto trotz ist dieses Vorgehen gängige Praxis, dass ein Dell-Affiliate 180solutions damit beauftragt, die Dell-Seite einzublenden, wenn ein User die Seite von Gateway aufruft. Das ist ein einfaches Beispiel für den Einsatz von Adware.
Jeff Molander: Das klingt so simple. Fast so einfach wie der Kauf von Adwords-Werbung bei Google.
Ben Edelman: Es ist wirklich so einfach. Es könnte sogar etwas einfacher sein. Google verlangt ein paar Schritte mehr. Man muss Google mitteilen für welche Keywords die Werbung erscheinen oder nicht erscheinen soll und in welchen Teilen der Welt die Anzeige eingeblendet werden soll. 180solutions bietet diese Auswahlmöglichkeiten nicht und so muss man weniger Fragen beantworten. Man braucht ihnen nur seinen Namen und das Geld zu geben und dann kann man schon die Anzeige bereitstellen und die Bedingungen festlegen unter denen die Anzeige erscheinen soll. Das wäre es aber auch schon.
Jeff Molander: Na gut. Kann das System für Dell auch nachteilig sein und Dell auf der anderen Seite selber gar Schaden zufügen?
Ben Edelman: Ich habe ja gerade das einfache Beispiel genannt, dass ein Dell-Affiliate seinen Dell-Affiliate-Link einblenden lässt, wenn man auf die Seite von Gateway geht. Viel schlimmer sind die Affiliates, die ihren Dell-Affiliate-Link einblenden lassen, wenn der User auf die Dell-Seite geht.
Der Affiliate beauftragt Direct Revenue, die Adware-Anzeigen auf Pay-per-View-Basis verkaufen, über ihre Webseite. Der Dell-Affiliate sagt Direct Revenue, dass sie ein Popup mit seinem Affiliate-Link einblenden sollen, wenn der User auf die Dell-Seite geht oder, genauer gesagt, auf die Bestellabwicklungsseite von Dell. Warum macht man so etwas? Nun, im Gegensatz zum Dell-Gateway-Beispiel, muss der User hier nicht mehr davon überzeugt werden einen Dell anstatt einem Gateway zu kaufen. Der User ist sich hier häufig sicher, dass er einen Dell kaufen möchte. Er hat sich ja schließlich bis zur Bestellabwicklungsseite durchgeklickt. Etwa 40 % der Leute, die diese Seite erreichen bestellen auch bei Dell. Das ist ein netter Wert, zumindest aus der Sicht des Affiliates. Wenn der Affiliate seinen Cookie mit dem Affiliate-Code gesetzt bekommt, bevor der User seine Kreditkartennummer eingegeben hat und danach den Kaufvorgang abschließt, bekommt der Affiliate seine Provision. 2 % des Kaufpreises wandern direkt in die Tasche des Affiliates. Das kommt schon sehr nahe an die eigene Gelddruckerei im Keller heran, denn wir wissen ja, dass 40 % der User, die die Bestellabwicklung erreichen, auch einen Dell kaufen. In diesem Beispiel erhält der Affiliate also eine 40 % Chance auf 2 % des Wertes eines neuen Dells, der etwa 1.000 Dollar kostet und muss dafür wenige Cent an Direct Revenue bezahlen. Wir reden also über eine 40-Prozentige Chance 20 Dollar zu verdienen, die man für eine Ausgabe in Höhe von 1 Cent für die Anzeige erhält. Ein wirklich lohnendes Geschäft, auch wenn es natürlich gegen alle Regeln verstößt.
Jeff Molander: Während ich mit Ben Edelman sprach, wollte ich unbedingt einige Sachen verstehen. Ich wollte wissen, welche Regeln Affiliates verletzen, wenn sie Adware benutzen. Warum dulden es Merchants und tatsächlich auch Partnerprogramm-Netzwerke, dass ihre Affiliates verbotene Adware verwenden? Warum ist es so, dass die Merchants keine Möglichkeit haben gegen die Affiliates, die ihren Ruf schädigen und sie viel Geld kosten, vorzugehen? Zu Beginn des Interviews hatte Edelman den bekannten Anzeigenprovider Direct Revenue in einem Beispiel für die Verwendung von Popups durch Affiliates genannt.
Ben Edelman: Auf der einen Seite installiert sich die Software von Direct Revenue ohne das Einverständnis des Computerbesitzers. Anzeigen, die darüber generiert werden, sind kein den Regeln entsprechender Platz für die Einbindung von Affiliate-Links. Zweitens: Die Affiliate-Links, die so aufgerufen werden, sind keine vergütbaren Klicks, die den User von der Seite des Affiliates zur Seite des Merchants leiten. So können keine vergütbaren Leads entstehen. Es handelt sich dabei um so genannte Forced Clicks, die man als Affiliate nicht verwenden sollte. Drittens: Wenn ein anderer Affiliate den Kunden zu Dell geschickt hat, überschreibt der Affiliate, der Adware verwendet, den Cookie des ehrlichen Affiliates und klaut ihm seine Provision. Das ist natürlich auch nicht erlaubt. Die räuberische Praxis des Überschreibens der Affiliate Cookies und auch der Kauf von Traffic Dritter, in diesem Fall Direct Revenue, ist nach den Commission-Junction-Richtlinien verboten. Es werden viele grundlegende, aber auch vom Merchant aufgestellte, Regeln gebrochen. Dell verbietet die Verwendung von Adware in seinen Richtlinien, so wie es viele Merchants machen. Das sind bis jetzt allerdings nur Lippenbekenntnisse. Die Regeln zu Papier zu bringen oder sie auf der Webseite zu veröffentlichen, stellt nicht sicher, dass sich auch jeder daran hält. Affiliates werden das tun, was sie wollen bis ihnen einer auf die Finger schaut und dafür sorgt, dass sie das machen, was man von ihnen erwartet.
Jeff Molander: Also die Einhaltung der Regeln? Wozu Regeln aufstellen, wenn die Einhaltung der aufgestellten Regeln nicht kontrolliert wird? Ich habe mich entschlossen, Edelman zu fragen, warum Merchants den Eindruck der Selbstzufriedenheit machen und sogar Affiliates akzeptieren, die die Regeln in so schamloser Art und Weise brechen. Es sieht fast so aus, als würden sie Adware nur als einen weiteren Kostenfaktor für Internetgeschäfte betrachten.
Ben Edelman: Es sieht so aus, dass viele Merchants früher bereit waren, diese Probleme als Teil der Kosten ihres Internetgeschäfts zu betrachten. Ich denke, hier geht es um etwas mehr als die Kosten für Internetgeschäfte, die wenn man es richtig betrachtet die Kosten für den Betrug durch Affiliates darstellen. Das können wir abstellen, wenn wir uns dem Problem nur erstmal annehmen. Das Urteil reflektiert, wie einfach oder schwer der Missbrauch durch Adware zu stoppen ist, was es kosten würde und welche Vorteile sich daraus ergeben würden. Man muss sehen, in welche Richtung die Entwicklung geht. Das Thema muss diskutiert werden. Viele Merchants haben tatsächlich noch nicht entdeckt, wie groß der Schaden durch Adware ist.
Jeff Molander: Was uns Edelman versucht mitzuteilen: Merchants und besonders ihre Marketingabteilungen haben sich dazu entschlossen, zum Teil, die „nichts hören und sehen“-Taktik bei Affiliates anzuwenden, die eventuell Adware verwenden.
Ben Edelman: Ja. Es gibt einige ernste Gründe, die bei vielen Merchants im Weg stehen. Der typische Affiliate Manager ist kein Polizist, Rechtanwalt und auch nicht unbedingt ein Computerfachmann. Das ist die Werbebranche und die geeignete Besetzung für den Job des Affiliate Managers war und ist, glaube ich persönlich, jemand mit viel Erfahrung im Marketing, der weiß wie man ein Produkt an den Mann bringt. Das ist es, was ein Affiliate Manager können muss. Der Job über den ich rede, ist das Aufspüren von betrügerischen Affiliates. Es ist nicht unbedingt ein Marketing-Job. Man versucht eher weniger als mehr zu verkaufen. Zumindest was den Bereich des Affiliate Marketings angeht. Man versucht, sein Programm zu verkleinern anstatt es zu vergrößern, um den Anteil der durch Adware entstandenen Positionen. Am Ende eines Quartals kann sich das Volumen verkleinert anstatt vergrößert haben, weil man feststellt, dass früher Auszahlungen unnötigerweise gewährt wurden.
Herauszufinden, wer was wann tut, ist harte Arbeit. Dabei muss man sich verschiedene Systeme anschauen, auch solche auf denen die schleimigste und gefährlichste Spyware, Adware und anderer Müll installiert ist. Das ist mit Sicherheit nicht eine der Lieblingstätigkeiten des Marketingpersonals. Wo führt uns das hin? Ich bin mir nicht sicher. Man könnte jemanden für diese Aufgaben anheuern. Die ganze Sache auf sich beruhen lassen. Ein Insider könnte die Aufgabe übernehmen. Man könnte seine IT-Abteilung mit der Aufgabe betrauen. Es gibt viel Wege für die Lösung des Problems. Aber es ist einfacher das Problem zu ignorieren: Ich habe momentan keine Zeit dafür und werde mich im nächsten Quartal dem Problem widmen. Man kann immer noch eine ganze Menge Merchants sehen, die diesem Ansatz folgen.
Jeff Molander: Wie versprochen befrage ich Ben noch zu weiteren Themen. Ich war mir nicht ganz sicher, wie er über die Partnerprogramm-Netzwerke selbst denkt. Gehört es zu ihren Aufgaben gegenüber den Merchants betrügerische Affiliates zu entdecken? Ist es fair gegenüber den Netzwerken ihnen die Aufgabe zu übertragen, die Einhaltung der Regeln durch die Affiliates zu überwachen? Ich möchte verstehen was Partnerprogramm-Netzwerke tun, um Affiliates zu finden, die Adware benutzen und wie sie sie bestrafen. Deshalb fragte ich Ben danach. Welchen Anteil haben die Netzwerke daran, betrachten sie die Situation doch aus einer anderen Perspektive, bei der sie ihre eigenen Zahlen im Auge haben?
Ben Edelman: Man kann einige dieser Ansätze tatsächlich beobachten. Wenn man der Affililiate Manager bei einem großen Merchant ist und seinem Chef erklären müsste, dass 30 % der Ausgaben der letzten fünf Jahre auch gleich in den Müll hätten wandern können. Das dürfte einige Fragen bei Ihnen und Ihrem Boss aufwerfen. Zum Beispiel was Sie die letzen fünf Jahre gemacht haben. So ein Gespräch würde ich mit meinem Chef nicht besonders gerne führen müssen. Ich kann die Angst der Leute in dem Punkt durchaus nachvollziehen.
Jeff Molander: Vielleicht haben einige Netzwerke selbst gedacht, dass die Affiliate-Programme sehr effektiv sind, obwohl sie es in Wirklichkeit überhaupt nicht sind. Jetzt, wo sie es besser wissen, haben sie Angst davor klar Schiff zu machen, weil es ihre Performance-Matrix drücken würde. Eindeutig brauchen die Merchants Hilfe. Und wie ich im Internet Retailer Magazine gelesen habe, sollen die Netzwerke helfen. Richtig? Was beschäftigt Netzwerke eigentlich täglich? Ich dachte mir: Wenn es irgendwer weiß, dann Ben.
Ben Edelman: Man weiß nie wirklich was sie machen. Sie behandeln das Thema, wie sie Betrüger überführen und stoppen, wie ein Staatsgeheimnis. Aus ihrer Sicht mag ihr Handeln schon einen Sinn ergeben. Wenn ihr Vorgehen bekannt wäre, könnten die bösen Jungs ihre Methode dahingehend optimieren und wären noch erfolgreicher beim Betrug. Allerdings glaube ich nicht an die unsichtbare Sicherheit. Wenn es einige Fehler bei Windows gibt, ist die Lösung für Microsoft nicht, sie geheim zu halten und für uns zu hoffen, dass kein böser Junge sie entdeckt. Stattdessen müssen wir uns eingestehen, dass die bösen Jungs intelligent genug sind, um jeden Fehler zu finden und ihn komplett auszunutzen. Es sei denn man beseitigt den Fehler vollständig. Wenn die Partnerprogramm-Netzwerke an ihrer Strategie festhalten, aus ihrer Strategie ein Geheimnis zu machen wird es einfach nicht funktionieren. Hier geht es um eine Menge Geld. Die bösen Jungs sind intelligent und werden herausfinden wo der Hund begraben liegt, welche Schlupflöcher offen stehen und welche Tricks funktionieren. Sie werden weiter verdienen. Dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen.
Jeff Molander: Aha. So löst Microsoft seine Probleme. Ben hat einen guten Ansatz gefunden. Aber soweit ich weiß, vertrauen Kunden den Partnerprogramm-Netzwerken. Ist das nur ein Trick oder bekämpfen sie das Problem wirklich? Was machen eigentlich die Qualitätsmanager bei den Netzwerken, wenn sie ins Büro kommen?
Ben Edelman: Ich glaube, dass die Netzwerke heute verschiedene Methoden anwenden. Sie haben wahrscheinlich ein paar Rechner, die mit Spyware infiziert sind und testen ein wenig per Hand. Ungefähr so wie ich es mache. Commission Junction hat öffentlich bekannt gegeben, dass sie sich die Time Stamps anschauen und sie vergleichen. Wenn ein User zu Dell kommt und 15 Sekunden später über einen anderen Affiliate-Link zu Dell kommt ist der zweite Affiliate-Link schon mal verdächtig. Es könnte eine Art von Adware sein, die den Klick ausgelöst hat.
Das ist großartig. Es wird ein Teil der Probleme lösen. Aber wir sind noch weit weg von der Lösung des gesamten Problems. Damit findet man keine Spyware oder Adware, die den Aufruf der Dell-Seite über einen Affiliate-Link umleitet. Auch Systeme, die auf die Bestellseite umleiten und eine willkürliche Verzögerung beinhalten sind so nicht zu entdecken. Es lässt sich nur ein bestimmter Teil des Problems damit lösen und wir wissen es. Commission Junction hat damit einen anständigen Teil eines bestimmten Problems – der sich beim Erreichen der Merchant-Seite selbst öffnenden erzwungenen Klicks – gestoppt. Andere Probleme hat Commission Junction noch nicht in Angriff genommen. Wohl bekannte Adware-Programme, die Klicks nicht bei der Ankunft generieren, sondern vorher oder auf der Bestellseite, scheinen bei Commission Junction größtenteils in Vergessenheit geraten zu sein.
Jeff Molander: Da sich ein Merchant nicht zu 100 % darauf verlassen kann, dass sein Partnerprogramm-Netzwerk problematische Affiliates ausschließt: Gibt es andere Möglichkeiten? Wäre eine Regelung angebracht und wenn, welche würde das sein? Was wäre das Ziel dieser Regelung?
Ben Edelman: Eine Regelung wäre der richtige Ansatz, den man im Hinterkopf haben sollte. Finanzdienstleister hatten schon einmal genau diese Probleme. Ein Geldweiterleitungsnetzwerk bei dem die Leute ein Konto bei einem Broker hatten und das Geld zu einem anderen Broker schickten und dann zu einer Bank und dann auf ein Auslands-Konto und zu noch einer Bank. Man wusste nie wo das Geld landen würde. Ein sehr ernstes Problem bei Ermittlungen, wobei man Geld natürlich schlecht tracken kann. Das führte zu einem Erlass der Regierung, der festlegte, was Kunden sind. Hier handelt es sich eindeutig um Affiliates. Was tun sie um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Warum zahlen wir den Kerlen 10.000 oder 2.000 Dollar im Monat? Was tun sie dafür? Wo erscheinen Ihre Anzeigen? Das sind alles ganz einfache Fragen. Wir zahlen für die Werbung. Wo und wie wurde unsere Werbung gezeigt? Wir möchten ein paar Beweise dafür sehen.
Jeff Molander: Ben spricht hier tatsächlich die Transparenz an. Das ist etwas, dass Merchants bei ihren Affiliate Programmen sehr wichtig zu sein scheint. Möglicherweise liegt dies an der negativen Nebenbedeutung, die mit ihnen im Vergleich zum Kauf von Traffic bei einer Marke wie Google oder Yahoo, assoziiert wird. Merchants scheinen es zu lieben, Besucher, über die sie nicht wissen, wo sie her kommen, dort zu kaufen. Doch was kann ein Merchant wirklich tun, um etwas Transparenz zu bekommen? Das Gefühl, dass die Nutzung von Adware bei seinen Affiliates unter Kontrolle ist. Was können Sie als Bewusstsein für das Problem vorweisen, falls Sie verklagt werden sollten? Die Worte sind bekannt: Welche Maßnahmen können wir jetzt ergreifen, um uns für morgen zu schützen?
Ben Edelman: Man könnte verlangen, dass jeder Affiliate, der vierstellige Einnahmen im Monat erzielt, Screenshots vorlegen muss, die seine Arbeit dokumentieren. Nicht nur einfache Screenshots, sondern aussagekräftige Screenshots. Alle Affiliates, die mehr als 1.000 Dollar verdient haben, müssen ein webbasiertes Formular ausfüllen, ein Fax oder Brief senden mit dem sie bescheinigen, keine Adware zu verwenden. Lasst es sie auf ein Blattpapier schreiben, dass sie keine Spyware oder Adware verwenden. Das sind keine komplizierten Vorgänge, auch wenn sie auf den ersten Blick übertrieben erscheinen mögen. Eine 29-Cent-Briefmarke hat noch niemanden, im Tausch für eine 1.000-Dollar-Provisionszahlung in dem Monat, umgebracht.
Jeff Molander: Na gut. Affiliate Manager – haltet eure Notizblöcke bereit – denn nun kommt der Teil, wo Ben ein paar Taktiken ausspuckt.
Ben Edelman: Merchants können einschlägige Diskussionsforen besuchen, wo sich andere Merchants über das Problem unterhalten oder entsprechende Artikel studieren. Halten sie Ausschau nach Unregelmäßigkeiten beim Traffic. Große Steigerungen können auf Spyware hindeuten, aber auch eine andere Ursache wie die Schaltung von Anzeigen in Suchmaschinen haben. Achten sie auf Traffic ohne HTTP-Referrer.
Wie ist es möglich, dass jemand 1.000 Dollar Provison kassiert, wenn der Umsatz nur 20.000 Dollar betrug und es keine zum Thema passende Webseite gab? Wo kam der Traffic her? Wenn es nicht von einer Webseite kam, kam es vielleicht von einer E-Mail? Kam der Traffic durch Spyware? Es läuft etwas eindeutig falsch, wenn nie ein Referrer auftaucht. So etwas sollte immer untersucht werden.
Jeff Molander: Affiliate Manager sollen also die Affiliates nach ihren Methoden fragen, die diese als ihr Geschäftsgeheimnis betrachten und riskieren, dass die Beziehung darunter leidet. Kurz: Die geheime Quelle für den Erfolg des Affiliate durchleuchten. Ist es realistisch, Affiliate Manager damit zu beauftragen?
Ben Edelman: Natürlich werden einige Affiliates diese Prozedur nicht mögen. Als Affiliate Manager wäre das auch nicht die Strategie, die ich als erstes auswählen würde. Andererseits würde ich bei Affiliates, bei denen ich Bedenken wegen fehlender Referrer, einer unlogisch aussehenden Webseite und nicht dazu passenden Referrern hätte, anders handeln. Wenn etwas nicht zusammen passt, sollte man der Sache auf den Grund gehen, bevor man ihnen einen vierstelligen Scheck schickt. Meiner Meinung nach ist das viel Geld. Man sollte immer daran denken, dass man das Geld nicht zurückholen kann, falls sich herausstellt, dass man betrogen worden ist. Man könnte es vorher herausfinden, was sie machen. Wenn eine Partnerschaft so etwas nicht aushält, wofür bekommen sie den vierstelligen Scheck jeden Monat? Das ist nicht gerade wenig Geld in meinen Augen.
Jeff Molander: Ist es möglicherweise ein Teil des Problems wie Partnerprogramm-Netzwerke bezahlt werden? Ist gerade ein nur leistungsabhängiges Modell die richtige Wahl, wenn es um Dokumentation, Aufzeichnung und Tracking geht? Ich habe Edelman gefragt, ob die Merchants nicht hier zu einem gewissen Grad den Fuchs das Hühnerhaus bewachen lassen, gerade wenn man sich die Beweggründe der Netzwerke anschaut.
Ben Edelman: Es gibt hier zwei verschiedene Probleme. Das ist zum einem der Betrug der Affiliates durch die Merchants. Ein Merchant kann zum Beispiel weniger Sales vergüten als tatsächlich gemacht wurden. Sie erzählen dem Affiliate einfach nur von der Hälfte seiner Sales. Sicher haben Sie uns tausend Leads geschickt, aber wir haben nur fünf Sales daraus realisieren können, obwohl es eigentlich zehn waren. Oder sie geben nur 8.000 Dollar an, obwohl über den Affiliate-Link Produkte im Wert von 15.000 Dollar verkauft wurden. Die Provision ist dann natürlich doppelt falsch berechnet. Das ist für die Affiliates natürlich ein echtes Problem. Affiliates haben keine Möglichkeit, das Problem beheben zu lassen, wie sollten sie es auch beweisen. Es wäre eine einfache Übung für den Merchant, das Tracking-Pixel nur bei der Hälfte der Aufrufe der Bestellseite einzublenden. Man kann also deutlich erkennen, dass Merchants in der Lage wären Affiliates zu betrügen. Wenn dies das entscheidende Problem wäre, macht die jetzige Regelung eine Menge Sinn, weil sie das Netzwerk damit beauftragt, die Interessen der Affiliates – bezahlt und nicht betrogen zu werden – gegenüber den Merchants zu vertreten.
Aber dieser Markt hat wie jeder eine andere Seite, die ebenfalls die Möglichkeit für Betrug bietet. Was ist, wenn die Affiliates diejenigen sind, die etwas Böses tun. Wir wissen, dass das Netzwerk die Interessen bei den Verhandlungen mit dem Merchant vertritt. Aber was ist mit den Interessen des Merchants gegenüber den Affiliates. Und genau hier liegt momentan das große Problem. Wir sehen ein finanzielles Interesse der Netzwerke bei den Ideen der verrückten Affiliates mitzuspielen. Eines der konstruierten Beispiele mag sieben Regeln verletzen. Nichts desto trotz: Das Netzwerk verdient, wenn der Affiliate verdient und der Merchant „verliert“! Und so könnte das Netzwerk, wenn es einer Sache auf den Grund geht, etwas langsamer sein als man gehofft hat.
Jeff Molander: Es hat den Anschein, als wenn die Affiliates es geschafft hätten, den Merchants vorzugaukeln dass sie berechtigte Leads und Sales erhalten, auch wenn sie es nicht tun. Was kann man dagegen unternehmen? Kann das System repariert werden?
Ben Edelman: Als Marktgestalter und Ökonom schaue ich mir das ganze an und sage: Das ist ein Problem, dass wir tatsächlich lösen können. Wir können es durch eine Änderung der Verträge lösen. Wir müssen Netzwerke für beide Arten von Problemen verantwortlich machen. Bis jetzt machen die Netzwerke nur einen Verlust, wenn der Merchant die Affiliates betrügt, weil sie selbst nur dann Provision kassieren, wenn der Affiliate eine Provision erhält.
Das Netzwerk sollte auch bezahlen und bestraft werden, wenn der Affiliate den Merchant betrügt. Was würde das bedeuten? Man könnte das System beispielhaft konstruieren und ich bin mir sicher, dass einige Merchants darüber nachdenken würden wollen. Wenn also einem Affiliate von irgendwem bewiesen werden kann, dass er den Merchant innerhalb der vorher festgeschriebenen Regeln betrügt, verliert das Netzwerk. Es muss den Merchant entschädigen. Das Netzwerk garantiert und steht mit seinem Namen für die Ehrlichkeit, dass ethische Verhalten und die Einhaltung der entsprechenden Regeln durch seine Affiliates. Wenn man also einen Affiliate findet der tausend Dollar illegaler Provision kassiert hat und durch das Netzwerk bezahlt wurde, ist das Netzwerk verpflichtet, dem Merchant dieses Summe und seine Gebühren zu erstatten. Von dann kann sich das Netzwerk an den Affiliate halten, ob er in Missouri oder Südafrika sitzt, spielt dabei keine Rolle. Entweder man findet sie oder man findet sie nicht. Es wäre das Problem des Netzwerks, nicht das des Merchants. Das wäre der richtige Schritt, um die sehr hohen Gebühren von 30 % zu rechtfertigen. Man muss etwas tun. Wir erhöhen den Wert für den Merchant, indem wir versichern, garantieren und unseren Namen drunter setzen, dass es sich um vernünftigen Traffic handelt.
Jeff Molander: An diesem Punkt, glaubt Edelman, besteht Hoffnung für alle Merchants, die bereit sind die Folgen zu akzeptieren.
Ben Edelman: Wenn man Verträge wie in dem Beispiel oben hätte, würde man ganz andere Versuche der Netzwerke sehen, den Betrug aufzudecken und zu kontrollieren. Das Netzwerk wird sich sehr ernsthaft der gründlichen Aufklärung widmen. Man müsste nicht mehr 30 Tage warten oder 90 Tage Bearbeitungszeit akzeptieren. Man gibt ihnen eine Chance, ihr Problem in den Griff zu bekommen. Wir würden Netzwerke erleben, die sich stark machen gegen Spyware, Cookie Stuffing oder Tippfehlerfarmen, eigentlich jede Art von Betrug. Werden die Netzwerke das umsetzen? Momentan fehlen ihnen die Gründe, an sich zu arbeiten. Sie sagen lieber, solch ein Aufwand sei verrückt. Wir würden bei so etwas nie mitspielen. Andererseits könnte sich das Bild bei wachsender Konkurrenz durch neue Netzwerke ändern. Wenn es sechs große Netzwerke geben würde und nicht nur zwei oder drei, kann man davon ausgehen, dass solche Garantien kommen oder der Preis deutlich sinkt, damit Netzwerke ihr Geld nicht Hals über Kopf verdienen, obwohl sie nicht viel mehr als nichts dafür tun. Ich glaube, dass es Platz für die Hoffnung auf Besserung in den nächsten Jahren gibt.
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10. August 200619:29
Adware, Interview mit Affiliate
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affiliate-radio.de » Blog Archive » affiliate radio #012: Interview zu Adware und 180solutions: Jeff Molander und Ben Edelman / 16.10.2008 - 16:28